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Techniken - Schriftliche Arbeiten

Zitierweisen

 

Ein wesentliches Qualitätskriterium wissenschaftlichen Arbeitens ist das eindeutige Belegen der benutzten Quellen, seien sie nun wörtlich oder sinngemäß in die eigene Arbeit eingeflossen. Ein Plagiat, das heißt ein Ideenklau ist eines der schwersten Vergehen wissenschaftlichen Arbeitens. Eine weitere „Sünde“ im Umgang mit Fachliteratur ist die falsche Wiedergabe von Quellen, wenn z.B. Vermutungen / Annahmen eines Autors in Behauptungen umgewandelt werden, seine Aussagen unzulässig generalisiert oder verkürzt werden. Denn Zitate und Literaturhinweise dienen dazu, den eigenen Gedankengang an Vorgedachtes anzuschließen und bieten dem Lesenden die Möglichkeit, die Richtigkeit der Information zu überprüfen. Insofern sind Zitate und Belege eine Art Fundament der eigenen wissenschaftlichen Arbeit, die jedoch keinesfalls die eigene gedankliche Arbeit ersetzen. Vielmehr muss die Qualität der Quellen kritisch hinterfragt werden; Zitate aus Zeitungen sind z.B. kein Autoritätsbeweis und können einzig der Darstellung sozialer und politischer Aktualität dienen. Außerdem reicht es im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit nicht aus, Zitat an Zitat zu reihen. Dies soll an folgendem Beispiel verdeutlicht werden:

 

Nehmen Sie an, Sie wollen eine für Sie selbst interessante Frage näher untersuchen. Dazu laden Sie sich einige Gäste (Experten) ein, die Sie für kompetent halten. Natürlich überlegen Sie genau, wen Sie mit Blick auf Ihr Thema einladen und wie viele Gäste es sein sollen: Nicht zu wenige, um auch abweichende und kreative Ideen „einzufangen“, aber auch nicht zu viele, damit jeder angemessen zu Wort kommen kann und Sie den Überblick behalten.
Sie geben das Thema vor und erläutern, weshalb von Bedeutung ist. Sie sagen auch, was Sie für sich klären wollen. Dann bitten Sie Ihre Gäste (die Bücher, aus denen Sie später zitieren werden), aus der je eigenen Sicht zu Ihrem Thema, zu Ihrer Frage beizutragen, zu informieren, zu problematisieren, zu kritisieren, zu konkretisieren, zu beraten.
Gelegentlich bündeln Sie die Beiträge Ihrer Gäste, fassen den bisherigen Ertrag der Monologe einzelner Gäste oder der lebhaften Diskussion mehrerer mit eigenen Worten zusammen. Sie stellen auch weiterführende Fragen, geben neue Impulse, kommen auf das zu sprechen, was Ihnen mit Blick auf Ihr Anliegen noch fehlt und bitten Ihre Gäste erneut um präzisere oder speziellere Antwort. Das kann sich mehrfach wiederholen – je nachdem, wie komplex, umfangreich und kontrovers Ihr Thema ist.
Irgendwann ist die vereinbarte Zeit abgelaufen. Kurz vor Schluss fassen Sie noch mal die wichtigsten Gedanken zusammen und beziehen diese auf Ihre Ausgangsfrage. Halten Sie fest, was nun für Sie befriedigend beantwortet ist und wo Sie noch unzufrieden sind, wo evtl. eine neue Gesprächsrunde einsetzen sollte.
Weil Ihre Untersuchung auch für andere interessant oder hilfreich ist (dies ist zumindest die Grundannahme bei wissenschaftlichen Arbeiten), machen Sie sich nun die Mühe, den Verlauf des Gesprächs aufzuschreiben. Sie schreiben auf, worum es geht und wozu Ihr Thema wichtig ist. Sie bestimmen die Richtung und den Inhalt, denn es ist Ihr Thema. Dazu integrieren Sie die Beiträge Ihrer Gäste mit eigenen Worten in Ihren Gedankengang.
Auf manche Gedanken Ihrer Gäste weisen Sie nur paraphrasierend hin. Das liest sich dann besser. Auch ist nicht jeder Beitrag Ihrer Gesprächspartner wert, wortwörtlich wiedergegeben zu werden. Doch für Sie besonders aufschlussreiche Gedanken, pointierte Redebeiträge oder überraschende Wendepunkte im Gespräch halten Sie für die Leser Ihrer Zusammenfassung wortwörtlich fest.

 

Zu unterscheiden sind - wie an dem Beispiel deutlich wurde - wörtliche Zitate, mit denen sparsam umgegangen werden sollte, von indirekten Zitaten, bei denen Gedanken eines oder mehrerer Autoren in eigenen Formulierungen referiert und zusammengefasst werden. Indirektes Zitieren ermöglicht es, umfangreiche Literaturbestände auf geringstem Raum darzustellen. Der Wert und die Bedeutung einer Quelle für die eigene Fragestellung sind entscheidend dafür, ob der Text wörtlich zitiert, paraphrasierend zusammengefasst oder nur auf ihn hingewiesen wird. So sollte man nur wörtlich zitieren wenn:

 

- die zitierte Stelle Untersuchungsgegenstand ist,
- man sich mit einer bestimmten Ansicht eingehender auseinandersetzen will und es dabei auf den Wortlaut ankommt,
- ein allgemeiner Sachverhalt einfach nicht besser und prägnanter ausgedrückt werden kann.

 

Allgemeinwissen muss generell nicht zitiert werden, man übernimmt dann allerdings die Verantwortung für die Richtigkeit der jeweiligen Aussage.
Folgende Formulierungen sollen als Hinweis auf die mögliche Verwendung von Literatur dienen:

 

- Meier ist der Meinung, dass…
- Nach Meier…
- Mit Meier lässt sich x beschreiben als…
- In der Literatur werden X folgende Eigenschaften zugeschrieben…
- In meiner Arbeit will ich diese These von x aufgreifen und am Beispiel y überprüfen… (auch als Beweis der Untersuchungswürdigkeit)
Oder auf Defizite / Desiderate anderer Forschungen Bezug nehme

 

Es gibt keine verbindliche Form des Zitierens, vielmehr haben sich verschiedene Konventionen herausgebildet. Zunächst gibt es Fußnoten, bei denen am Ende des Zitats (das kann ein Wort, ein Satz oder ein ganzer Absatz sein) eine hochgestellte Ziffer eingefügt wird, die am Seitenende mit der entsprechenden Angabe erscheint. Es ist auch möglich, Belege als Endnoten an das Ende des gesamten Textes zu setzen. Bei der amerikanischen Harvard-Technik wiederum werden die Angaben im Fließtext gemacht und entsprechend in Klammern gesetzt. Die beiden letztgenannten Varianten stören jedoch in gewisser Weise den Lesefluss.
Die Reihenfolge der angegebenen Informationen und die gewählte Interpunktion können je nach Geschmack unterschiedlich sein. Generell müssen jedoch immer folgende Informationen im Beleg enthalten sein: Name, Vorname, Titel und ggf. Untertitel, Erscheinungsjahr und - ort sowie – falls nicht auf das Gesamtwerk verwiesen wird ‒ die Seitenzahl. Ein zentraler Appell ist es, sich für eine Technik zu entscheiden und sie innerhalb des Textes auch konsequent durchzuhalten.
Im Folgenden sollen zunächst ein paar allgemeine Tipps und Hinweise zum Zitieren gegeben werden:

 

Bei sinngemäßer Übernahme beginnt der Verweis mit vgl. (vergleiche) oder siehe.
Generell sollten die Seitenzahlen mit angegeben werden, es sei denn, es wird auf ein ganzes Werk verwiesen.
Wird auf mehr als eine Seite verwiesen, so nutzt man folgende Kürzel: f. für eine folgende Seite, ff. für mehrere folgende Seiten. Es ist auch möglich, die genaue Seitenzahl von X-Y anzugeben.
Wird ein Werk zweimal nacheinander zitiert, so können beim zweiten Zitat folgende Kurzbelegformen gewählt werden: op. cit. (opus citatum) sowie ebd.
Fußnoten / Endnoten können auch für Diskussionen, die in das weitere Umfeld des Themas gehören, für Zusatzinformationen und Ansatzpunkte weiterer Forschung genutzt werden; man sollte aber darauf achten, dass sie nicht zu lang werden.
Fußnoten / Endnoten müssen nummeriert werden – nach Seite, Abschnitt oder der gesamten Arbeit.
Fehlt die Angabe des Erscheinungsortes oder -jahres im Band, so sind folgende Kürzel zu wählen: o.J. (ohne Jahresangabe), o.O. (ohne Ortsangabe).
Längere Zitate sollten auch graphisch als solche gekennzeichnet werden, indem sie einzeilig und / oder eingerückt geschrieben werden.
Eine Fußnote sollte immer mit einem Punkt abschließen und mit einem Großbuchstaben beginnen.
Wortgemäße Zitate sind buchstabengetreu zu übernehmen und in Anführungszeichen zu setzen.
Sinnbewahrende Änderungen des Originals werden folgendermaßen gekennzeichnet: (Hervorhebung – oder Änderung, etc. ‒ des Verfassers, V.M.); auch Auslassungen müssen kenntlich gemacht werden: Zitat [...] Zitat. Um auf die Übernahme von Fehlern hinzuweisen, nutzt man folgendes Zeichen: [sic!] (wirklich so!).
Auf Sekundärzitate, das heißt Zitate aus zweiter Hand, sollte möglichst verzichtet werden; ansonsten wird nach dem Beleg der benutzten Literatur folgender Hinweis gemacht: zit. nach... Im Fließtext wird ein Zitat im Zitat folgendermaßen gekennzeichnet: „Zitat aus genutzter Quelle >Sekundärzitat< Zitat aus benutzter Quelle“. Es sind auch einfache Anführungszeichen zur Kennzeichnung eines Sekundärzitats möglich. Bei Zitaten im Zitat wird nur der direkt zitierte Text im Literaturverzeichnis aufgenommen.
Zitierte Tabellen/Abbildungen werden oben oder unten mit einem entsprechenden Verweis versehen.
Bei bis zu drei Verfassern sind alle namentlich aufzuführen; bei vier und mehr Verfassern ist nur der erste Verfassername zu nennen und danach das Kürzel u.a. oder et. al. zu verwenden.
Adelstitel etc. werden am Ende des Namens aufgeführt, z.B. Stuckrad, Kocku von; bei ausländischen Wissenschaftlern steht der Adelstitel meist vorne und wird groß geschrieben, z.B. DeMause.
Generell werden keine akademischen Titel oder Berufsbezeichnungen im Beleg mit aufgeführt.

 

Folgende Zitiertechniken und –systeme sind üblich:

 

Kurzbelegform:

Kurztitel, Jahr, Seitenzahl oder ggf. auch ebd., S.
Beispiel: Wie man eine wissenschaftliche Arbeit schreibt, 2002, S. 25.
Vollständig: Eco, Umberto: Wie man eine wissenschaftliche Arbeit schreibt. Doktor-, Diplom- und Magisterarbeiten in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Stuttgart, 7. Aufl. 2002, S. 25.

 

Harvard-System:

Name, Jahr, Seitenzahl im Fließtext, vollständige Angabe im Literaturverzeichnis
Beispiel: (Eco, 2002, S. 25).

 

Buch mit einem Verfasser:

Nachname, Vorname (ggf. Hg. / Hrsg): Titel und ggf. Untertitel, falls erforderlich Name des Übersetzers/Bearbeiters, Aufl. ggf. erw. (erweitert), durchges. (durchgesehen) oder akt. (aktualisiert), ggf. Band und Serien-, Reihentitel in eckigen Klammern, Verlagsort, evtl. Verlag, Erscheinungsjahr, Seitenzahl.

Beispiel: Stolz, Fritz: Grundzüge der Religionswissenschaft. Stuttgart, 7. Aufl. 1997, S. 22.
Antes, Peter (Hg.): Vielfalt der Religionen. Baha’i, Buddhismus, Christentum, Hinduismus, Islam, Judentum, Naturreligionen, Neue Religiöse Bewegungen, Astrologie. Hannover 2002, S. 33.

 

Aufsatz in Sammelband:

Name, Vorname: Titel. ggf. Untertitel. In: Name, Vorname des Herausgebers (Hg / Hrsg.): Titel. ggf. Untertitel, Band, ggf. Serien- und Reihentitel, Auflage, Erscheinungsort(e), evtl. Verlag, Erscheinungsjahr - falls nicht vorne direkt nach Namen genannt -, erste und letzte Seitenzahl.

Beispiel: Franke, Edith: Religiöse Wandlungs- und Erneuerungsprozesse als Gegenstand empirischer Forschung in der Religionswissenschaft. In: Fechtner, Kristian / Haspel, Michael (Hg.): Religion in der Lebenswelt der Moderne. Stuttgart u.a. 1998, S. 88-101.

 

Aufsatz in Zeitschrift:

Nachname, Vorname: Titel und ggf. Untertitel. In: Name der Zeitschrift, Nummer des Bandes/Jahrgangs, Nummer des Heftes, Erscheinungsjahr, falls die Seiten nicht jahrgangsweise gezählt werden, erste und letzte Seitenzahl des Aufsatzes.

Beispiel: Seiwert, Hubert: Systematische Religionswissenschaft: Theoriebildung und Empiriebezug. In: ZMR 61, 1977, S. 1-18.
Seiwert, Hubert: Religion in der Geschichte der Moderne. In: ZfR 3, 1995, Heft 1, S. 91-101.

 

Für das Internet sind mittlerweile besondere Zitiertechniken entwickelt worden (siehe auch: http://www.mediensprache.net/de/publishing/). Im Folgenden einige allgemeinen Regeln:

 

Monografie / einzelner Artikel

Autor (Publikationsdatum). Titel. <Adresse>. Standardnummer. Revisionsdatum/Version/ Zitationsdatum.

 

Teil einer Monografie

Autor (Publikationsdatum). Titel. <Adresse>. In: Initialtitel <Initialadresse>. Standardnummer. Revisionsdatum/ Version/Zitationsdatum.

 

Beitrag eines Sammelbandes

Autor (Publikationsdatum). »Titel«. <Adresse>. In: Initialtitel <Initialadresse>. Hg. v. Herausgeber. Abschnittsspanne. Standardnummer. Revisionsdatum/ Version/Zitationsdatum.

 

Beitrag in einem Periodikum

Autor (Publikationsdatum). »Titel«. <Adresse>. In: Initialtitel <Initialadresse>. Nr. Ausgabe/Jg. Jahrgang. Standardnummer. Revisionsdatum/Version/ Zitationsdatum.

 

Web-Sites/Homepages (generelle Einstiegsadresse)

Firma/Person (Jahr). <Adresse>.

 

Web-Sites/Homepages (eine bestimmte Seite)

Firma/Person (Publikationsdatum). Titel. <Adresse>. Revisionsdatum/Version/Zitationsdatum.

 

Persönliche E-Mail

Sender (Sendedatum). Titel. [Persönliche E-Mail].

 

Weitergeleitete E-Mail

Weiterleitender (Sendedatum). Titel [Weitergeleitete E-Mail v. Sender].

 

Archivierte E-Mail

Sender (Sendedatum). Titel. [E-Mail]. <Adresse>.

 

E-Mail aus einem Korpus

Sender (Sendedatum). Titel. [E-Mail]. In: Initialtitel <Adresse>. Hg. v. Herausgeber. Abschnittsname.

 

Diskussionslisten (Mailing-Listen, News etc.)
Nicht archivierte Beiträge

Sender (Sendedatum). Titel. In: Diskussionslistenname <Diskussionslistenadresse>.

 

Archivierte Beiträge

Sender (Sende-/Publikationsdatum). Titel. <Adresse>. In: Diskussionslistenname <Diskussionslistenadresse>. Nr. Ausgabe. Standardnummer.

 

Synchrone Kommunikation (Chat, MUD, MOO etc.)

Nickname (Sendedatum). Titel. Channel. <Adresse>.

 

Für die meisten Primärtexte und allgemein bekannte religionswissenschaftliche Nachschlagewerke (ER, TRE, RGG, HrwG) haben sich feste Abkürzungssysteme eingebürgert, die bei den Belegen üblicherweise verwendet werden.
Beispiele: Bhg 6,13 = Bhagavadgitā, Kapitel 6, Vers 13
Lk 543 = Lukas-Evangelium, Vers 543

 

 

 

 

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