Techniken - Schriftliche Arbeiten
Die Rezension
Im wissenschaftlichen Kontext handelt es sich bei Rezensionen um kurze Informationen über Neuveröffentlichungen von Fachliteratur, damit mögliche Leser sich über das Werk informieren können. Üblicherweise sind Rezensionen in Zeitschriften und im Internet zu finden. Eine Rezension als Studien- oder Prüfungsleistung muss nicht immer zwangsläufig über eine neue Veröffentlichung sein.
Grundsätzlich stellt eine Rezension die Gliederung der Veröffentlichung vor; Verfasser sowie Inhalt, Ziel, Aufbau, Konzeption und wissenschaftliche Ausrichtung des rezensierten Werkes werden aufgeführt; darüberhinaus wird der Text jedoch auch bewertet, vor allem nach Aktualität, wissenschaftlicher Bedeutung. Auch hier muss kenntlich sein, was Inhalt der Veröffentlichung und was die eigene Stellungnahme darstellt.
Beispiel:
Ulrich Lüke; Jürgen Schnakenberg; Georg Souvignier (Hg.), Darwin und Gott. Das Verhältnis von Evolution und Religion, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2004, 189 S., ISBN 3-534-17535-2, € 39,00
Der Titel dieses Sammelbandes, der aus einem Symposium der Stiftung "Theologie und Natur" im Jahr 2002 hervorgegangen ist, erweist sich als irreführend. Nicht eine historische oder kulturwissenschaftliche Aufarbeitung des Verhältnisses von Darwinismus und Religion erwartet den Leser, sondern acht Beiträge zu der Frage, ob das Verhältnis von Religion und Evolution "koproduktiv, kontraproduktiv oder unproduktiv" sei.
Der Neurobiologe Wolfgang Walkowiak und die Soziobiologen Eckart Voland und Caspar König stellen einige gängige Modelle ihrer Fachwissenschaften vor, um religiöses Erleben bzw. die Funktion von Religion im evolutiven Selektionsprozess zu erklären. Als innovativ sticht der Beitrag des Evolutionspsychologen Harald A. Euler hervor, der Religion als ein signifikantes Merkmal für die sexuelle Selektion bestimmt - Religion sei ein "Fitness-Indikator". Ulrich Lüke (katholische Theologie), Matthias Kröger (evangelische Theologie), Wolfgang Gantke (Religionswissenschaft) und Günther Pöltner (Philosophie) warnen in ihren Beiträgen hauptsächlich vor einem naturwissenschaftlichen Reduktionismus auf reine Nützlichkeitskriterien, denn Religion sei kein Epiphänomen.
Die Mehrheit der Autoren setzt die Gegensätzlichkeit von Darwinismus und Religion als Ausgangspunkt ihrer Überlegungen voraus und lässt dabei außer Acht, dass neben dem viel zitierten fundamentalistischen Kreationismus in der englischsprachigen Theologie und Philosophie eine große Anzahl von religiösen, teils christlichen, positiven Rezeptionen des Darwinismus bestehen (u. a. Gray, T. Huxley, Fiske). Lediglich Gantke kritisiert diese polarisierende Eurozentrik der Fragestellung und verweist auf Denker wie Whitehead, Aurobindo und Teilhard de Chardin. Ein Rückblick auf die differenzierten Positionen zeitgenössischer deutscher Theologen wie Wasmann, Wobbermin und Strauß gegenüber dem Darwinismus hätte den geisteswissenschaftlichen Beiträgen einige Redundanzen erspart. Wenn auch Kröger, Gantke und Pöltner die Reflektion des eigenen Vorverständnisses anmahnen, so scheinen die Naturwissenschaftler trotz des interdisziplinären Gespräches mit einem unreflektierten, christlich fundierten Religionsbegriff zu operieren, der dann teilweise eine universale Geltung beansprucht. Die Geisteswissenschaftler wiederum berücksichtigen kaum die teleologischen Implikationen des von ihnen vorausgesetzten Evolutionsbegriffes. Die provokante Frage, ob die kulturelle bzw. religiöse Evolution gegenläufig zu den reinen Effizienzkriterien der biotischen Evolution sei (J. Huxley) wird leider völlig ausgeklammert. Das Lesevergnügen wird durch die unzureichende Arbeit des Lektorats gemindert.
Oliver Krüger, Heidelberg