Das Judentum - Eine Einführung
Inhalt
Heutige Verbreitung
Religiöse Strömungen der Gegenwart
Geschichte
Zentrale Aspekte und Lehren
Gebetsvorschriften
Der Bund
Die Thora
Der Talmud
Die Mischna
Die Gemara
Die rabbinische Tradition
Speisegebote
Feiertage
Die religiöse Volljährigkeit
Heutige Verbreitung
Heute gibt es weltweit es etwa 13,3 Mill. Juden. Die meisten leben in den USA und Israel. In Deutschland gibt es laut „Zentralrat der Juden in Deutschland“ 102 jüdische Gemeinden mit 105.000 Mitgliedern, die sich unter dem Dach des Zentralrats zusammengeschlossen haben.
Religiöse Strömungen der Gegenwart
Heute lassen sich vier Hauptströmungen im Judentum unterscheiden.
- Orthodoxes Judentum
- Modern Orthodox
- Ultraorthodox
- Neoorthodox
- Chassidismus
- Liberales Judentum
- Konservatives Judentum
- Rekonstruktionisten
Geschichte
Die jüdische Zeitrechung beginnt mit dem ersten Tag der Schöpfung. Dies bedeutet die jüdische Zeitrechnung beginnt 3761 Jahre vor Christus.
Im alten Testament wird von den 12 Stämmen Israels gesprochen. Hierbei handelt es sich um die Nachfahren der zwölf Söhne Jakobs:
- Ruben
- Simeon
- Levi
- Juda
- Dan
- Naphtali
- Ascher
- Issaschar
- Sebulon
- Joseph
- Benjamin
Einige dieser Stämme sollen nach Ägypten eingewandert sein, wo sie versklavt wurden. Nach einem Aufstand hat Moses die Israeliten wieder aus Ägypten herausgeführt. Die historisch-kritische Bibelforschung ist sich heute nicht einig, wie genau der „Auszug“ der Israeliten aus Ägypten stattgefunden hat.
Saul ist der erste isrealitische König. Er vollbringt es, die Stämme in einer politischen Einheit zu versammeln. Sein Nachfolger David erweitert die Reichsgrenzen, erobert Jerusalem und macht es zur neuen Hauptstadt. Unter ihm wird die Religion der Israeliten zum vorherrschenden Glauben in Palästina.
Davids Sohn Salomo erbaut den ersten Tempel von Jerusalem.
Mit der Zerstörung Jerusalems und des Tempels im Jahre 586 v. Chr. durch Nebukadnezar II. beginnt für die Israeliten die Zeit des babylonischen Exils.
In Babylon ersetzen die Israeliten ihre politische durch eine religiöse Einheit, so können sie ihre Einheit bewahren. Tempeldienste werden durch Gebetsversammlungen ersetzt.
Nach der Eroberung Babylons durch Kyrus II. im Jahre 539 v. Chr. ist der Weg frei für die Israeliten. 42.000 von ihnen sollen sich auf den Weg zurück nach Palästina gemacht haben. Im Jahre 516 v. Chr. wird der zweite Tempel eingeweiht. Mit dieser Einweihung endet offiziell das babylonische Exil (586 – 516 v. Chr).
Im Jahre 70 n. Chr. fällt der zweite Tempel, während des ersten jüdisch-römischen Krieges ebenfalls einer Zerstörung zum Opfer.
Der letzte große Aufstand gegen Rom beginnt im Jahre 132 n. Chr. Die Niederschlagung des Bar Kochba Aufstands dauert bis 135 n. Chr. Das Ergebnis ist die Zerstörung der jüdischen Eigenstaatlichkeit. Jerusalem wird zerstört und den Juden ist es fortan, unter Androhung der Todesstrafe, verboten dort zu leben.
Im Laufe des 1. Jahrtausends verlagert sich das geistige Zentrum des Judentums nach Europa. Ein Zentrum ist zunächst Spanien. Das 10. und 11. Jh. wird zu einer Blütezeit für das sephardische Judentum. Ein frühes Zentrum der Gelehrsamkeit in Europa ist Cordoba. Im 12. und 13. Jh. wird dann Toledo ein Zentrum der jüdisch-christlichen Kultur.
Aber es gibt auch Schattenseiten. Bereits mit Beginn des 8. Jh. tauchen erste antijüdische Verschwörungstheorien auf. Im 12. Jahrhundert nehmen die Judenverfolgungen in Europa zu.
1144 kommt es beispielsweise in England zu ersten Beschuldigungen bezüglich ritueller Morde die Juden an Christen verübt haben sollen. Ab Mitte des 13. Jh. nimmt die judenfeindliche Stimmung in Spaniens Kirche und Bevölkerung immer stärker zu. In Frankreich kommt es 1394 zur Enteignung und Vertreibung der Juden. 1492 fliehen 300.000 Juden infolge der Inquisition aus Spanien.
Nach der Reformation gibt es erste Anzeichen von Toleranz in einigen Ländern Europas. So bietet beispielsweise England ab 1650 Juden die Einwanderung an. 1791 erhalten sie in Frankreich das Wahlrecht.
Im 17. Jh. ist Polen das Zentrum jüdischen Lebens in Europa. Bereits zur Zeit der Kreuzzüge sind viele aschkenasische Juden nach Osteuropa geflohen.
Ab Mitte des 19. Jh. verschlechtert sich die Lage der Juden in Osteuropa zusehends. Vor allem in Russland kommt es immer wieder zu Pogromen. Ihren Höhepunkt erreichen die Pogrome Ende des 19. Jh..
Bis zum Ende des 1. Weltkriegs emigrieren rund 2. Mill. Juden in die USA.
Vor dem 2. Weltkrieg gib es weltweit rund 17 Mill. Juden (1934). Unter den Nationalsozialisten verlieren ca. 6 Mill. Juden ihr Leben. Diese einmalige beabsichtigte Vernichtung eines ganzen Volkes wird im hebräischen Shoa genannt.
Nach dem 2. Weltkrieg nimmt Bundeskanzler Konrad Adenauer, aufgrund internationalen Drucks, Wiedergutmachungsverhandlungen mit Israel auf.
In der Bundesrepublik leben in den 50er Jahren ca. 15.000 Juden. Erst in der Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung wächst die Zahl der jüdischen Bevölkerung wieder. Verzeichneten jüdische Gemeinden 1989 noch 26.000 Mitglieder, so nimmt ihre Zahl durch ca. 80.000 jüdische Emigranten aus Osteuropa in den folgenden Jahren stark zu.
Von den zwischen 1989 und dem Jahr 2004 eingereisten jüdischen Kontingentflüchtlingen schließt sich nur eine Minderheit den bestehenden jüdischen Gemeinden an.
Zentrale Aspekte und Lehren
Das Judentum ist die Älteste der drei Offenbarungsreligionen.
Im jüdischen Glauben hat Gott die Welt erschaffen und lenkt ihr Geschick. Gottes Wille wird den Menschen in der Thora offenbart. Sie enthält die Gebote (Mizwot) und Regeln für den Umgang der Menschen untereinander und gegenüber ihrem Gott. Dieses Verhältnis zeichnet sich dadurch aus, dass kein Vermittler nötig ist. Es ist also ein rein persönliches Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen.
Der Mensch ist im jüdischen Verständnis frei in seinen Entscheidungen. Er kann sich ständig dazu entscheiden, etwas böses oder etwas gutes zu tun. Natürlich muss er sich auch bewusst sein, das er für seine Taten die volle Verantwortung trägt.
Gebetsvorschriften
Das Leben wird als Dienst an Gott gesehen. Im orthodoxen Judentum wird das Gebet drei Mal täglich gehalten (morgens, nachmittags und abends). Während des Gebets wird, aus Respekt vor Gott, der Kopf entweder mit einem Hut oder der Kippa bedeckt. Orthodoxe Juden halten ihren Kopf normalerweise immer bedeckt.
Der Bund
Die jüdische Geschichte beginnt mit dem Bund zwischen Gott und Abraham. Im jüdischen Verständnis ist Abraham auch der Begründer des Monotheismus. Den Bund, den Gott mit Abraham schließt wiederholt er mit Jakob, dem der den Namen Israel gibt. Das dritte Mal erneuert Gott diesen Bund mit Moses auf dem Berg Sinai.
Durch diesen Bundschluss realisiert sich für die Israeliten eine besondere Beziehung zu Gott. Auf diese Weise werden sie zum ausgewählten Volk und sie machen Gott zu ihrem König.
Durch die Beschneidung am achten Tag ihres Lebens werden Jungen in den Bund aufgenommen.
Das Gesetz bilden die 10 Gebote, die Moses auf dem Berg Sinai von Gott erhält und 603 weitere Gebote bzw. Verbote die das tägliche Leben regeln. Die Gläubigkeit eines Menschen zeigt sich durch die Beachtung der Gesetze. Bei einer Nichtbefolgung kann es zur Bestrafung durch Gott kommen.
Leiden wird so interpretiert, dass gegen die Gesetzte Gottes verstoßen worden ist. Mit der Ankunft des Messias, auf die bis heute gewartet wird, soll das Leiden endgültig ein Ende haben.
Die Thora
Die Thora ist der erste Teil der hebräische Bibel (Tanach). Sie wird auch Pentateuch genannt und besteht aus den 5 Büchern Mose.
Der Talmud
Der Talmud ist neben dem Tanach die wichtigste Schriftensammlung des Judentums. Er enthält die Kommentare zur Thora bestehend aus juristischen Fragen sowie Erzählungen und besteht aus der Mischna und der Gemara.
Es gibt zwei völlig unterschiedliche Ausgaben des Talmud. Den Babylonischen und den Palästinischen oder Jerusalemer Talmud. Der babylonische Talmud ist umfangreicher und heute der gebräuchlichere. Er entsteht im babylonischen Exil. Seine endgültige Form erhält er im 6. Jh..
Die Mischna
Die Mischna ist die schriftliche Festschreibung der zuvor nur mündlich weitergegebenen Überlieferungen. Sie wird von ca. 200 n. Chr. bis zum Ende des 3. Jh. geschrieben.
Die Gemara
Die Gemara bildet den Kommentar zur Mischna.
Die rabbinische Tradition
Rabbiner sind die Experten für die jüdische Tradition und das Gesetz. Nach der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. beginnen sie außerhalb Israels mit der Niederschrift der bisher nur mündlich überlieferten Tradition, da die, durch das Exil bedingte, räumliche Entfernung der einzelnen Gemeinden voneinander, zu abweichenden Auffassungen führt.
Speisegebote
Die Speisege- und Verbote im Judentum lassen sich auf die Zeit des Tempelkults in Jerusalem zurückführen. Es wird ein Unterschied gemacht zwischen reinen und unreinen Tieren. Unreine Tiere sind beispielsweise Schweine sowie Fische ohne Flossen oder Schuppen. Reine Tiere dagegen sind z.B. Rinder. Zu essen erlaubt sind alle Tiere mit gespaltenen Hufen, die ihr Futter wiederkäuen. Allerdings darf ein Tier, welches gegessen werden soll kein Blut mehr enthalten, weshalb es nur verzehrt werden darf, wenn es vorschriftsgemäß geschächtet wird.
Eine weitere wichtige Speisevorschrift besagt, dass Fleisch- und Milchprodukte niemals gemeinsam gegessen werden dürfen. In orthodoxen Haushalten gibt es daher immer zwei paar Besteck sowie Geschirr und Kochgeschirr.
Feiertage
Der Sabbat
Der Sabbat ist der siebte Tag der Woche. An diesem Tag ist es verboten zu arbeiten. Es ist der Tag der Ruhe, des Gebets, des Bibelstudiums und des gemeinsamen Essens.
Das jüdische Jahr kennt fünf große Feste:
- Das Passah-Fest (erinnert an den Auszug aus Ägypten)
- Das Schawuot-Fest (erinnert an die Übergabe der Gesetzestafeln)
- Rosch Haschana (Neujahrsfest)
- Jom Kippur (Versöhnungstag)
- Sukkot (Das Laubhüttenfest)
Neben den fünf großen gibt es zwei kleine Feste:
- Chanukka (Tempelweihfest)
- Purim (Losfest)
Während die fünf Großen im Pentateuch festgeschrieben sind, sind die beiden Kleinen jüngeren Datums.
Die religiöse Volljährigkeit
Mit dreizehn Jahren erlangt ein jüdischer Junge seine Volljährigkeit. Ab diesem Zeitpunkt ist er für die Einhaltung aller Ver- und Gebote selbst verantwortlich. Mit der Bar-Mizwah (Sohn des Gebots) wird dies in der Synagoge gefeiert, wo der Junge zum ersten Mal in seinem Leben aus der Thora lesen darf. Dieser Brauch entsteht im 15. Jahrhundert.
In modernen liberalen Gemeinden gibt es heute dasselbe Fest (Bat Mizwah = Tochter des Gebots) auch für Mädchen, die mit zwölf Jahren ihre religiöse Volljährigkeit erreichen.