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Der Hinduismus - Eine Einführung

Inhalt

Hinduismus
Inhalt
Heutige Verbreitung
Geschichte
Zentrale Aspekte und Lehren
Heilige Schriften
Einige Grundbegriffe
Das Kastenwesen

 

Heutige Verbreitung

 

Der Hinduismus hat heute etwa 900 Millionen Anhänger. Über 90% der Hinduisten leben auch heute noch in Indien. 80% der indischen Bevölkerung sind Hindus. Zur Zeit der britischen Kolonialherrschaft in Indien, gelangt der Hinduismus mit indischen Arbeitern auch in andere Teile des britischen Empire.
In Europa leben heute beispielsweise die meisten Menschen mit hinduistischem Glauben in Großbritannien. Aber auch in anderen westlichen Ländern, wie beispielsweise Deutschland (ca. 90.000) und in den USA leben zahlreiche Hinduisten.
Weitere Länder, in denen der Hinduismus heute verbreitet ist sind: Nepal, Bangladesch, Sri Lanka, Bali, Mauritius, Südafrika, Fidschi, Singapur, Malaysia, Trinidad sowie Tobago.

 

Geschichte

 

Seinen Ursprung hat der Hinduismus in Indien. Der Begriff Hinduismus ist ein Sammelbegriff für die Religionen des indischen Subkontinents. Ursprünglich werden von den Muslimen, die im 8. Jh. ins Industal kommen, alle Inder als Hindus bezeichnet.
Später übernehmen europäische Kaufleute und Missionare des 16. Jh. den Begriff.
Ab der 1. Hälfte 19. Jh. wird die Bezeichnung dann zu einer Eigenbezeichnung unter englischsprachigen Indern.

Die Geschichte des Hinduismus lässt sich in vier Phasen unterteilen. In die Zeit der sogenannten vedischen Religion (1500 – 500 v.Chr), die Phase des klassischen Hinduismus (500 v. Chr. – 1000 n. Chr.), die Zeit der Fremdherrschaft (1000 – 1850) und die Zeit des Neohinduismus.

 

Zentrale Aspekte und Lehren

 

Der Hinduismus als Sammelbegriff vereint unter seinem Dach die verschiedenen religiösen Traditionen Indiens. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Richtungen und Schulen sowie keine gemeinsame richtungweisende Institution. Die Gottesvorstellungen sind ebenso unterschiedlich wie Vorstellungen über beispielsweise den Tod oder die Erlösung. Zumeist jedoch findet sich die Vorstellung von einem ständigen Kreislauf zwischen Leben und Tod.
Im Hinduismus findet man Vorstellungen von Monotheismus genau so wie den Polytheismus oder Pantheismus bis hin zum Atheismus. Eine Vorstellung vom Monotheismus besagt, dass die verschiedenen Götterbilder jeweils ein Aspekt eines Gottes sind. Genauso aber gibt es auch die Vorstellung von vielen Göttern. Genannt werden Zahlen von bis zu 33 Millionen. Die wichtigsten Götter sind Brahma (Schöpfer), Vishnu (Erhalter) und Shiva (Zerstörer).
Oft besitzen religiöse Lehrer einen hohen Stellenwert.
Beim Hinduismus handelt es sich weniger um eine Religion mit festen Dogmen sowie Glaubenssätzen, eher ist er eine Lebensform. Der Glaube erstreckt sich auf alle Bereiche des täglichen Lebens (Brauchtum, Gesundheitswesen, Recht, Speisevorschriften, usw.). Es kommt weniger auf die Rechtgläubigkeit (Orthodoxie) sondern vielmehr auf das rechte Verhalten (Orthopraxie) an.

 

Heilige Schriften

 

Es gibt zwei Gruppen von Schriften. Zum einen die so genannten Shruti (das Hören, Gehörte) und Smriti (die Erinnerung).

Zu den Shruti gehört der Veda Er ist die wichtigste historische und auch die erste religiöse Quelle der Indoarier. Die Indoarier wanderten in der zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. in das Industal ein und ihre Kultur gilt als Ursprung des Hinduismus.
Die Veden sind in Hymnen verfasst. Sie enthalten in sich widersprüchliche Lehren wie beispielsweise mehrere Schöpfungsmythen.
Die ältesten Schriften sind der Rig-Veda (Veda der Verse, Hymnen zum Anrufen und Preisen der Götter), Sama-Veda (Veda der Gesänge), Yajur-Veda (Veda der Opferformeln und Atharva-Veda (Veda der Magie, enthält Beschwörungen gegen Krankheiten und Feinde sowie Gebete zur Vergebung von Opferfehlern).
Zur vedischen Literatur gehören zudem die Brahmanas (Interpretationen der Veden), Aranyakas (esotherische Waldbücher) sowie die Upanishaden (eine Art Geheimlehre). Die Upanishaden bilden das Ende des Veda, weshalb man sie auch Vedanta nennt. Zugleich handelt es sich bei ihnen um die wichtigsten der frühen Texte.

 

Die Upanishaden

 

Die Upanishaden gehören zum Vedanta (Vollendung des Veda) 750-550 v. Chr. Sie enthalten die Grundlagen der indischen Philosophie und Religiosität. Sie umfassen ca. 250 Schriften, die über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten verfasst wurden. In der Upanishadenzeit gilt es als vorbildlich, sich von der Gesellschaft in die Meditation zurückzuziehen. In den Upanishaden tritt zum ersten Mal das Prinzip der Wiedergeburt auf.

Die Textgattungen Sutra, Shastra (Lehrtexte) und Bashya (Kommentare) gehören zu den Smriti und sind nach den Upanishaden entstanden.

Zu den großen Epen zählen das Ramayana und das Mahabharata.

Im Ramayana sind die Abenteuer Ramas (Inkarnation Vishnus) dargestellt, der die Welt vor dem Dämonenkönig Ravana beschützen muss.

Das Mahabharata (bestehend aus 100.000 Versen) berichtet vom Familienkrieg um den K önigsthron zwischen den Kauravas und den Pandavas, die mit der Hilfe Krishnas (Inkarnation Vishnus) den Sieg davontragen. Ein Teil des Mahabharata ist die Bhagavadgita (700 Verse). Bei diesem Text handelt es sich um einen der wichtigsten Texte des Hinduismus, da er die maßgeblichen Lehren enthält. Er berichtet von einem Gespräch zwischen Krishna und Arjuna (ein Krieger).

 

Einige Grundbegriffe

 

Brahmane/Brahmin: Mitglied der Priesterkaste, darf die Mantras bei Opferritualen sprechen.
Brahman bedeutete zunächst Gebet, später, in den Upanishaden beschreibt Brahman das höchste Wesen, den Weltgeist. Alles ging aus ihm hervor, auch die Götter.
Atman bezeichnet die individuelle Seele, das individuelle Selbst. Atman ist ein Teil des Brahman.
Samsara bezeichnet den Kreislauf der Wiedergeburt. Nur wer die „letzte Identität“ hinter der Welt erkennt, hat die Möglichkeit diesen Kreislauf zu verlassen.
Die Upanishaden beschreiben zum ersten Mal die Idee der Wiedergeburt. Je nachdem wie gut die Taten eines Menschen waren, desto besser oder schlechter wird sein Stand im nächsten Leben sein.
Dharma ist die Weltordnung, es umfasst alles: Moral, Kultus, Recht, Sitte. Das Dharma legt den Widergeburtskreislauf fest. Das Dharma ist die Grundlage der sozialen und ethischen Ordnung und des Verhaltens eines jeden Menschens, wenn er der kosmischen und moralischen Ordnung nicht widersprechen will. Das Dharma ist nicht für jeden gleich. Jede Kaste besitzt ein anderes Dharma und jeder Mensch besitzt in jedem Lebensstadium ein anderes Dharma. Jeder, der sich an sein persönliches Dharma hält, sammelt auf diese Weise ein gutes Karma an.
Moksha bedeutet die Befreiung aus dem Kreislauf der Wiedergeburten und stellt somit das höchste Ziel im Hinduismus dar.

 

Das Kastenwesen

 

Seinem Karma gemäß wird ein Mensch in eine Kaste geboren. Die Mitglieder einer jeden Kaste besitzen unterschiedliche religiöse und soziale Pflichten. Um ein gutes Karma zu erlangen, muss dem eigenen Dharma gerecht gelebt werden. Ein Brahmane beispielsweise hat ein anderes Dharma als ein Krieger.

Das Kastensystem besteht aus den vier Ständen: Brahmanen, Kshatriyas (Krieger), Vaishyas (Bauern, Händler) und Shudras (Diener). Die Mitglieder der drei oberen Stände nennt man Zweimalgeborene. Sie sind berechtigt die heiligen Schriften zu lesen. Ein Aufstieg innerhalb eines Lebens von einem Stand in einen anderen, beispielsweise durch eine Heirat, ist nicht möglich. Zum ersten Mal beschrieben wird das Kastensystem im Rig-Veda.
Zu den vier aufgezählten Ständen kommen die Parias, die Unberührbaren. Diese Einteilung in Stände ist heute eher theoretisch. Wichtiger für das soziale Leben ist heute die Einteilung in Jâti. Es handelt sich um Untergruppen der Stände, die als Kasten bezeichnet werden können. Es soll ca. 3000 Jâtis (Unterscheidungsmerkmale sind: Berufsgruppen, Speisevorschriften, Herkunft usw.) geben.

 

 

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