Der Buddhismus - Eine Einführung
Inhalt
Heutige Verbreitung
Geschichte
Zentrale Aspekte und Lehren
Buddhistische Schulen / Richtungen (auch Fahrzeuge genannt)
Theravada-Buddhismus
Mahayana-Buddhismus
Vajrayana-Buddhismus
Die 4 edlen Wahrheiten / der edle achtfache Pfad
Die vier Wahrheiten
Der edle achtfache Pfad
Buddhistische Ethik
Heutige Verbreitung
Der Buddhismus ist heute die viertgrößte Weltreligion und umfasst eine Vielzahl verschiedener Traditionen.
Es gibt weltweit etwa 360 Mill. Gläubige. Diese untergliedern sich in ca. 130 Mill. Anhänger des „kleinen Fahrzeugs“, ca. 200 Mill. Anhänger des „großen Fahrzeugs“ und etwa 30 Mill. gehören zum „diamantenen Fahrzeug“.
In Indien, dem Mutterland des Buddhismus, beträgt die Anhängerzahl heute weniger als 1%.
Stark verbreitet ist der Buddhismus in China, Japan, Korea, Malaysia, der Mongolei, Singapur und in Vietnam. Als Hauptreligion gilt er jeweils in den Ländern: Bhutan, Kambodscha, Laos, Myanmar (Burma), Sri Lanka, Thailand und Tibet.
In Europa sowie den USA verbreitet sich der Buddhismus seit etwa 100 Jahren.
In Deutschland leben heute ca. 130.000 deutsche Buddhisten sowie ca. 120.000 Buddhisten asiatischer Herkunft.
Geschichte
Begründet wird der Buddhismus durch Siddharta Gautama (dem historischen Buddha) im 5. Jh. v. Chr. in Nordindien. Siddharta ist ein Prinz des lokalen Herrscherhauses der Shakya in
Lumbini.
Im Alter von 29 Jahren wird dem jungen Prinzen Siddharta laut Legende bewusst, dass Reichtum allein kein Garant für menschliches Glück darstellt. Zudem erkennt er bei drei Ausfahrten, die ihn hinaus aus dem Palast führen, dass auch das Leid ein Teil des Lebens ist.
Als ihm auf einer weiteren Ausfahrt ein Mönch begegnet, der ohne jeglichen Luxus glücklich ist, beginnt Siddharta seine eigene Suche nach dem menschlichen Glück.
Er verlässt den väterlichen Palast und nach sechs Jahren der Askese, des Studiums und der Meditation erfährt er mit 35 Jahren seine Erleuchtung und wird so zum Buddha.
Angeblich hat ihn danach der Gott Brahma persönlich darum gebeten, seine Erkenntnis auch anderen Menschen mitzuteilen. Seine erste Lehrrede hält Buddha daraufhin vor fünf Asketen, die er während seiner Reise traf. Diese erste Rede wird als diejenige bezeichnet, mit der Buddha das so genannte „Rad der Lehre“ in Bewegung setzt.
Zudem gründet Buddha die so genannte vierfache Gemeinschaft. Sie besteht aus Mönch- und Nonnenorden sowie aus Laien, die wiederum in Männer und Frauen unterteilt sind. Während die Mitglieder der Orden versuchen den gesamten Weg zur Erlösung zu gehen, beschränkt sich das Betreiben bei den buddhistischen Laien meist darauf gute Taten zu tun, und so gute Voraussetzungen für ein nächstes Leben zu schaffen.
Buddha selbst lehrt bis ins Alter von 80 Jahren und geht dann ins
Nirvana ein. Die buddhistische Zeitrechung beginnt daher mit dem Jahr 543 v. Chr.
Die Anfangszeit des Buddhismus ist zumeist aus Legenden bekannt. Gut historisch belegbar wird die Geschichte des Buddhismus erst mit König Aschoka (ca. 268-233 v. Chr.), der selbst zum Buddhismus konvertiert. Unter seiner Herrschaft gelangt der Buddhismus nach Sri Lanka, wo der bisher nur mündlich überlieferte Kanon der heiligen Schriften im 1. Jh. n. Chr. schriftlich festgehalten wird (Pali-Kanon). Der
Pali-Kanon bildet die von allen Buddhisten anerkannte Textgrundlage des Buddhismus.
Im 19. Jh. kommt der Buddhismus nach Europa, wo er zunächst im Besonderen das Interesse der Intellektuellen heraufbeschwört.
Das Weltparlament der Religionen im Jahre 1893 verhilft dem Buddhismus in den USA zum Durchbruch.
In Deutschland kommt es vor allem nach dem 2. Weltkrieg zur Gründung zahlreicher buddhistischer Zentren. Die Gründung der „Deutschen Buddhistischen Gesellschaft“ erfolgt 1955 und bereits drei Jahre später geht daraus der Dachverband, die „Deutsche Buddhistische Union“ hervor.
Zentrale Aspekte und Lehren
Die Besonderheit des Buddhismus ist, dass er nicht nur als Religion, sondern auch als Philosophie angesehen werden kann. Der historische Buddha (Siddharta Gautama) ist kein Gott oder Prophet. Es gibt keinen allmächtigen Gott oder etwa eine ewige Seele in der Vorstellung des Buddhismus.
Die Lehre (Dharma) hat Siddharta nicht etwa durch einen Gott erfahren, sondern durch eine meditative Schau (Kontemplation).
Der Buddhismus kennt keine strenge Dogmatik. Buddha selbst warnte stets vor Autoritätshörigkeit.
Der Buddhismus geht davon aus, dass das Leben leidvoll ist, da Menschen an Dingen, die nicht von Dauer sind oder beispielsweise an Hoffnungen, die womöglich nicht erfüllt werden, haften. Diesem Leid kann nur entgehen, wer sich von allem loslöst.
Ziel im Buddhismus ist nicht die nächste eventuell bessere Wiedergeburt, sondern ein Durchbrechen des ewigen Kreislaufs aus Wiedergeburten. Ziel ist das endgültige Erlöschen im Nirvana.
Buddhistische Schulen / Richtungen (auch Fahrzeuge genannt)
Im Buddhismus kann man drei Hauptrichtungen unterscheiden.
Theravada-Buddhismus (Lehre der Alten)
Von seiner geographischen Verbreitung her wird er auch südlicher Buddhismus genannt. Er verbreitet sich in Südostasien. Heute ist er noch vorherrschend in Burma, Kambodscha, Laos, Sri Lanka und Thailand.
Der Theravada-Buddhismus wird auch als Hinayana-Buddhismus (kleines Fahrzeug) bezeichnet. Diese Bezeichnung aber ist diskriminierend und wurde von Seiten des Mahayana-Buddhismus verwendet. Es handelt sich hierbei also um keine Selbstbezeichnung. Der Theravada-Buddhismus ist die letzte heute noch existierende Lehre aus der alten Tradition. Die Lehre geht auf die Mönche zurück, die Buddha noch selbst gehört haben. Es wird nur Bezug auf die ältesten Schriften (Pali-Kanon) genommen. Der Pali-Kanon bildet die Grundlage des Theravada-Buddhismus. Er ist in drei Körbe (Tripitaka) unterteilt
Tripitaka: - Vinayapitaka: Regeln für Mönche und Nonnen (u.a. 227 Regeln, Anweisungen für Zeremonien sowie Kleidung und Wohnung)
- Suttapitaka: Lehren des Buddha
- Abhidhammapitaka: systematische Auflistung der Lehren des Buddha
Weiterhin von Wichtigkeit sind im Theravada-Buddhismus der so genannte Milindapanha-Text (Fragen des Königs Milinda) und der Visuddhimagga (Weg der Reinigung).
Mahayana-Buddhismus (großes Fahrzeug oder großer Weg)
Von seiner geographischen Verbreitung her auch nördlicher Buddhismus genannt. Er findet seinen Weg über die Seidenstraße nach Zentral- und Ostasien.
Der Mahayana-Buddhismus entsteht zu Beginn unserer Zeitrechnung.
In der Vorstellung dieser Richtung des Buddhismus ist Buddha nicht nur ein Mensch, sondern ein ewig existierendes Wesen, das auf die Erde kommt, um den Menschen bei ihrer Suche nach dem Glück zu helfen.
Zusätzlich zum Pali-Kanon besitzt der Mahayana-Buddhismus weitere Sanskrit-Schriften (Sutren), die den Sutren-Kanon bilden. Der Sutren-Kanon enthält weitere Unterweisungen des Buddha.
Das Ziel des Mayahana-Buddhismus ist nicht die Weltabgewandtheit, wie sie im Theravada gelehrt wird, mit dem Ziel so schnell wie möglich in das Nirvana zu gelangen, sondern Ziel ist es, ein Bodhisattva zu werden. Als ein solcher ist es das Lebensziel anderen Lebewesen zu helfen ebenfalls das Heil zu erlangen.
In der Vorstellung des Mahayana gibt es überirdische Bodhishattvas, die in einer Zwischenwelt leben. Dort können sie von Menschen angerufen werden. Die Bodhishattvas haben die freie Wahl sich für eine Widergeburt zu entscheiden. Mit der Beschreibung dieser Bodhishattvas, hielt die Vorstellung von überirdischen Wesen ihren Einzug in den Buddhismus.
Vajrayana-Buddhismus (Diamant-Fahrzeug)
(aus dem Mayahana-Buddhismus entstanden)
Er ist vor allem in der Himalayaregion verbreitet (Tibet, Bhutan, Nepal, Mongolei). Daher wird der Vajrayana-Buddhismus im Westen oft als tibetischer Buddhismus bezeichnet.
Der Vajrayana-Buddhismus, bei dem es sich um eine Art Geheimlehre handelt, ist im 2. Jh. entstanden. Ein Schüler wird nach seiner Weihe von einem Lehrer in die Geheimnisse eingeführt, daher spielt der Kanon der heiligen Schriften nur eine geringe Rolle.
Die 4 edlen Wahrheiten
Die 4 edlen Wahrheiten sind der Kern der buddhistischen Lehre (Dharma). Die buddhistische Lehre ist einer der drei Juwelen (Lehrer (Buddha), Lehre (Dharma), Gemeinschaft der Mönche). Der achtfache Pfad folgt aus der vierten Wahrheit.
Die vier Wahrheiten
- Wahrheit vom Leiden
- Wahrheit von der Entstehung des Leidens
- Wahrheit von der Überwindung des Leidens
- Wahrheit vom Weg zur Überwindung des Leidens (Beschreibung im 8. Pfad)
Der edle achtfache Pfad
Er ist eine Basis der buddhistischen Lehre und in allen Schulen vorhanden. Die einzelnen Punkte bedeuten keine Stufen, die hintereinander erklommen werden, sondern sie bedingen sich gegenseitig, sie können gleichzeitig geübt und erreicht werden.
Glieder des Pfades: - ganzheitliche Anschauung
- Ungeteilter Entschluss
- Untadelige Rede
- vollkommenes Handeln
- ganzheitliche Lebensführung
- gleichgewichtige Anstrengung
- unablässige Achtsamkeit
- ganzheitliche Einswerdung
Buddhistische Ethik
Das Leitmotiv im Buddhismus ist die Freundlichkeit gegenüber allen Lebewesen.
Für Laien gibt es fünf Regeln:
Nicht töten oder verletzen
nicht stehlen
keine Pflege von Begierden, die durch sexuelle Beziehungen geweckt werden
nicht lügen
keine Rauschmittel
Für Mönche und Nonnen ist die Zahl der Regeln und Gebote etwas höher. So gibt es etwa für Mönche 227 und für Nonnen 311 Regeln/Gebote.